Die Oberfläche des Mars, die oft als statisch wahrgenommen wird, befindet sich in ständiger, wenn auch langsamer Transformation. Aktuelle Bilder, die vom Mars-Express-Orbiter der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) aufgenommen wurden, zeigen eindrucksvolle Beweise dafür: riesige Formationen, sogenannte Yardangs, die über möglicherweise Tausende von Jahren durch unerbittliche Winde geformt wurden. Bei diesen auffälligen Merkmalen handelt es sich nicht um plötzliche geologische Ereignisse wie Vulkane oder Erdbeben; Sie sind das Ergebnis einer allmählichen Erosion, ähnlich einem natürlichen Sandstrahlprozess, der die Marslandschaft umgestaltet.
Was sind Yardangs und warum sind sie wichtig?
Yardangs sind stromlinienförmige, vom Wind geformte Grate, die sich in weichem Gestein oder Sediment bilden. Das ESA-Bild zeigt ein Feld dieser Formationen in der Nähe des Eumenides-Dorsum-Gebirges, die alle konsequent auf die vorherrschende Windrichtung ausgerichtet sind. Diese Ausrichtung ist nicht zufällig; Dies weist darauf hin, dass dieselben Winde das Material über einen längeren Zeitraum hinweg aktiv erodiert haben.
Der Maßstab ist bemerkenswert: Diese einzelne Ansicht deckt ein Gebiet ab, das mit Belgien vergleichbar ist. Was aus der Ferne als subtile „Windwellen“ erscheint, verwandelt sich in ein ausgedehntes, mehrere Dutzend Kilometer langes Erosionsmuster. Die bloße Existenz von Yardangs hier beweist, dass der Mars über ein anhaltendes, gerichtetes Windsystem verfügt, das stark genug ist, um das Gelände im Laufe der Zeit zu verändern.
Eine vielschichtige Geschichte: Vulkane und Wind
Die Formationen wurden auf alten Lavaströmen gefunden, was darauf hindeutet, dass die Landschaft zunächst durch vulkanische Aktivität entstanden ist und später durch Winderosion eine Neugestaltung erfolgte. Diese vielschichtige Geschichte ist auf dem Mars weit verbreitet.
Die Bilder wurden von der hochauflösenden Stereokamera (HRSC) des Mars Express aufgenommen, die den Planeten seit Jahrzehnten detailliert kartiert. Die Arbeit des HRSC ermöglicht es Wissenschaftlern, die Entwicklung der Marslandschaften von oben bis unten zu verfolgen.
Lage und Bedeutung
Diese Yardangs liegen nahe dem nördlichen Ende des Eumenides-Dorsum-Gebirges, innerhalb der ausgedehnten, staubigen Medusae-Fossae-Formation. Die Region liegt nicht weit von der riesigen Vulkanprovinz Tharsis entfernt. Die Tatsache, dass in diesem Gebiet Erosion stattfindet, zeigt, dass selbst Regionen, die durch antiken Vulkanismus geprägt waren, noch immer modernen atmosphärischen Kräften ausgesetzt sind.
„Der Mars kann auf den ersten Blick ‚in der Zeit eingefroren‘ aussehen, aber Bilder wie dieses erinnern daran, dass sich der Planet immer noch aktiv verändert“, stellt die ESA fest.
Die Yardangs liefern wertvolle reale Daten zum Testen und Verfeinern von Atmosphärenmodellen. Indem Wissenschaftler die Windrichtung direkt am Gelände ablesen, gewinnen sie ein klareres Verständnis darüber, wie Staub und Sand heute über den Planeten transportiert werden. Diese Informationen sind für zukünftige Marsmissionen von entscheidender Bedeutung, insbesondere für solche, bei denen es um menschliche Erkundung oder Ressourcennutzung geht.
Die Existenz dieser Formationen zeigt, dass der Mars zwar scheinbar ruht, aber eine dynamische Welt bleibt, in der selbst die Winde bleibende Spuren in der Landschaft hinterlassen können.















