Technologiefirmen wie SpaceX, Google und Blue Origin streben trotz der rapide schrumpfenden Menge an nutzbarem Raum energisch den Aufbau riesiger Rechenzentren in der Erdumlaufbahn an. Elon Musks SpaceX hat kürzlich die Erlaubnis zum Start einer Million Satelliten zu diesem Zweck beantragt, ein Schritt, der sowohl die potenziellen Vorteile als auch die zunehmenden Risiken einer Überfüllung der Umlaufbahn unterstreicht.
Der überfüllte Kosmos
Die Erdumlaufbahn ist bereits mit fast 15.000 Satelliten überlastet, von denen zwei Drittel von SpaceX gestartet wurden, um seinen Starlink-Internetdienst zu betreiben. Der Drang nach orbitalen Rechenzentren, angetrieben durch den unersättlichen Energiebedarf der künstlichen Intelligenz, verschärft das Problem. Der entscheidende Vorteil: Diese Server könnten nahezu unbegrenzte Solarenergie nutzen und wasserintensive Kühlsysteme umgehen, die auf der Erde erforderlich sind.
Eine aktuelle Studie warnt jedoch davor, dass durch Treibhausgasemissionen verursachte atmosphärische Veränderungen die langfristige Verfügbarkeit sicherer Orbitalplätze verringern. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte die Zahl der Satelliten, die sicher im Orbit betrieben werden können, halbiert werden. Dies ist nicht nur ein theoretisches Anliegen; Kollisionen mit vorhandenen Trümmern stellen eine unmittelbare und wachsende Bedrohung für einsatzbereite Raumfahrzeuge dar.
Der Wettlauf der Big Tech ins All
SpaceX ist mit diesem Unterfangen nicht allein. Googles Project Suncatcher entwickelt aktiv eine ähnliche Technologie für umlaufende Rechenzentren. Jeff Bezos‘ Blue Origin hat ebenfalls Interesse bekundet, während China bereits mit dem Start von KI-Computersatelliten begonnen hat und Pläne für Tausende weitere hat. Der Wettlauf um die Vorherrschaft im weltraumgestützten Computing verschärft sich, da Unternehmen nach Alternativen zu irdischen Einschränkungen suchen.
Skepsis und Herausforderungen
Nicht jeder ist überzeugt. Sam Altman, CEO von OpenAI, hat die Idee als „lächerlich“ abgetan und die unerschwinglichen Kosten und technologischen Hürden angeführt. Kritiker argumentieren, dass der schiere Umfang dieser Projekte angesichts der bereits angespannten Umlaufbahnumgebung und der Kollisionsrisiken unpraktisch sei. Die Lebensfähigkeit weltraumgestützter Rechenzentren hängt auch von der Bewältigung logistischer Herausforderungen wie der Satellitenwartung, der Wärmeableitung und der langfristigen Zuverlässigkeit unter rauen Weltraumbedingungen ab.
Die beteiligten Technologieunternehmen reagierten nicht sofort auf Anfragen nach Kommentaren.
Schlussfolgerung: Das unermüdliche Streben nach orbitalen Rechenzentren verdeutlicht einen entscheidenden Kompromiss: technologischer Ehrgeiz versus begrenzte Kapazität des Weltraums. Je mehr Spieler die Arena betreten, desto wichtiger wird die Bewältigung der Überlastung der Umlaufbahn, um die langfristige Nachhaltigkeit der weltraumgestützten Infrastruktur sicherzustellen.
