Im portugiesischen Alqueva-See wurde ein bisher nicht erfasster Parasit identifiziert, der neue Fragen zu den Risiken für die öffentliche Gesundheit in beliebten Freizeitgewässern aufwirft.
Forscher haben das Vorkommen von Trichobilharzia franki, einem parasitären Plattwurm, im Alqueva-See, dem größten künstlichen Stausee Westeuropas, bestätigt. Dies ist der erste offizielle Nachweis dieses spezifischen Vogelschistosoms in Portugal und weist auf ein potenzielles Gesundheitsrisiko für Millionen von Besuchern hin, die an seinen Ufern schwimmen, angeln und entspannen.
Während der Parasit beim Menschen keine ernsthaften Krankheiten verursacht, löst er Zerkariendermatitis aus, die allgemein als „Schwimmerekzem“ bekannt ist. Dieser Zustand verursacht starken Juckreiz, rote Beulen und blasenartige Läsionen, die tage- oder wochenlang bestehen bleiben können. Die Entdeckung verdeutlicht eine Lücke in der Überwachung einer Erkrankung, die in der Region wahrscheinlich vorhanden, aber nicht diagnostiziert wurde.
Eine versteckte Bedrohung an einem beliebten Reiseziel
Der Alqueva-See ist ein wichtiges Touristenzentrum und lockt Besucher für Wassersport, Vogelbeobachtung und Freizeitaktivitäten an. Bis zu dieser Studie wurden Trichobilharzia -Arten in Portugal nie offiziell gemeldet. Dieses Fehlen war angesichts der Größe und Beliebtheit des Sees überraschend und deutet darauf hin, dass frühere Fälle von Schwimmerekzem möglicherweise übersehen oder falsch diagnostiziert wurden.
Frühe informelle Umfragen bei örtlichen Ärzten und Apothekern hatten bereits auf Fälle hingewiesen, die mit der Erkrankung in der Region Alqueva übereinstimmen. Die neue Studie liefert die wissenschaftlichen Beweise, die erforderlich sind, um diese Symptome mit einer bestimmten biologischen Quelle in Verbindung zu bringen.
Warum das wichtig ist: Die Erkennung verwandelt eine vage Gesundheitsbeschwerde in ein identifizierbares Umweltrisiko. Es erzwingt eine Neubewertung der Wassersicherheitsprotokolle in einer Region, die stark vom Tourismus abhängig ist.
Wie sich die Forschung entwickelte
Um den vermuteten Ausbruch zu untersuchen, führte ein Forschungsteam zwischen Mai 2023 und Oktober 2024 eine umfassende Untersuchung durch. Sie besuchten 25 Küstenstandorte rund um den See und sammelten insgesamt 7.125 Süßwasserschnecken.
Die Analyse ergab ein kritisches Muster:
– Die überwiegende Mehrheit der Schnecken wurde negativ getestet.
– Allerdings fanden Forscher an einem einzigen Ort namens Campinho infizierte Schnecken.
– Von 325 Schnecken, die für molekulare Tests geeignet waren, setzten vier Individuen der Art Radix auricularia Larven frei, die mit Trichobilharzia übereinstimmen.
Die Infektionsrate im gesamten Seebecken war mit 0,6 % niedrig, am spezifischen Standort Campinho stieg sie jedoch auf 13,8 %. Dies weist darauf hin, dass der Parasit nicht gleichmäßig verteilt ist, sondern in konzentrierten „Hotspots“ vorkommt, die mit bestimmten Umweltbedingungen zusammenhängen.
Bestätigung des Täters: T. franki
Mithilfe detaillierter morphologischer und genetischer Tests bestätigten Wissenschaftler, dass es sich bei dem Parasiten um T handelte. franki. Die Larven-DNA zeigte über 95 % Ähnlichkeit mit bekannten Sequenzen dieser Art.
Diese Identifizierung ist aus zwei Gründen von Bedeutung:
1. Wirtsbestätigung: Radix auricularia wurde als Zwischenwirt bestätigt, was bedeutet, dass diese spezielle Schneckenart für den Lebenszyklus des Parasiten in diesem Ökosystem unerlässlich ist.
2. Geografische Verbreitung: Die genetische Analyse zeigte, dass die portugiesischen Proben eng mit Stämmen verwandt sind, die in Österreich und Ungarn vorkommen. Dies lässt darauf schließen, dass der Parasit wahrscheinlich von wandernden Wasservögeln transportiert wurde, die als Endwirte für den Parasiten fungieren.
Forscher beobachteten mehrere Vogelarten in der Nähe des Sees, darunter Hausenten, wilde Anatidae und invasive Nilgänse. Diese Vögel tragen die erwachsenen Würmer und werfen Eier ins Wasser, die dann Schnecken infizieren und so den Kreislauf schließen.
Öffentliche Gesundheit und der „One Health“-Ansatz
Die Entdeckung erweitert das bekannte geografische Verbreitungsgebiet von T. franki in Europa und identifiziert Portugal als potenziellen Hotspot für diesen zoonotischen Parasiten. Auch wenn der Badeekzem selten gefährlich ist, kann er die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und Touristen davon abhalten, öffentliche Strände zu besuchen.
Die Studie unterstreicht die Bedeutung eines „One Health“-Ansatzes und erkennt an, dass die menschliche Gesundheit mit der Tierwelt und den aquatischen Ökosystemen verknüpft ist. Zu den wichtigsten Empfehlungen gehören:
– Laufende Überwachung: Regelmäßige Überwachung von Freizeitgewässern, insbesondere in den warmen Monaten, wenn die Schneckenaktivität am höchsten ist.
– Früherkennung: Verwendung von Umwelt-DNA-Methoden (eDNA), um das Vorhandensein von Parasiten zu erkennen, bevor es zu Ausbrüchen kommt.
– Öffentliches Bewusstsein:** Aufklärung von Gesundheitsdienstleistern und der Öffentlichkeit, um Symptome zu erkennen und die Infektionsquelle zu verstehen.
Fazit
Der Nachweis von Trichobilharzia franki im Alqueva-See ist ein Weckruf für die Überwachung der Umweltgesundheit in Europa. Es zeigt, wie Zugvögel Parasiten in neue Regionen einschleppen und so zu versteckten Risiken in beliebten Erholungsgebieten führen können. Proaktive Überwachung und öffentliche Sensibilisierung sind unerlässlich, um diese aufkommende Bedrohung zu bewältigen und die Sicherheit der Seenutzer zu gewährleisten.















