Eine vorläufige Studie legt einen überraschenden Zusammenhang nahe: Personen mit Farbenblindheit haben möglicherweise ein höheres Risiko, an Blasenkrebs zu sterben. Forscher, die Gesundheitsakten analysierten, fanden heraus, dass Menschen mit sowohl Farbenblindheit als auch Blasenkrebs ein 52 % erhöhtes Risiko hatten, innerhalb von 20 Jahren zu sterben im Vergleich zu Patienten mit Blasenkrebs und normalem Sehvermögen.
Die mögliche Erklärung: Verspätete Diagnose
Die führende Theorie besagt, dass Farbenblindheit die Früherkennung von Blasenkrebs behindern könnte. Blut im Urin ist ein wichtiges Frühsymptom, aber wenn jemand Schwierigkeiten hat, Farben zu unterscheiden, übersieht er möglicherweise dieses wichtige Warnzeichen, was die Diagnose und Behandlung verzögert.
„Blasenkrebs ist eine schlimme Krankheit. Wenn Sie Ihre Diagnose verzögern, wird sich das auf Ihre Prognose auswirken“, sagt Dr. Veeru Kasivisvanathan, ein urologischer Onkologe.
Studiendetails und Einschränkungen
Die in Nature Health veröffentlichte Studie untersuchte Daten von 135 Patienten mit beiden Erkrankungen und verglich sie mit 135 Patienten ohne Farbenblindheit. Die Daten stammen von TriNetX, einem Register mit über 275 Millionen Patientenakten. Aufgrund mehrerer Einschränkungen warnen Experten jedoch vor einer Überinterpretation der Ergebnisse:
- Geringe Stichprobengröße: Die Studie umfasste eine relativ kleine Gruppe, wodurch die Ergebnisse weniger aussagekräftig waren.
- Nicht diagnostizierte Farbenblindheit: Einige Personen leiden möglicherweise an Farbenblindheit, ohne es zu wissen, was möglicherweise zu einer Verzerrung der Daten führen kann.
- Verschiedene Farbsehstörungen: In der Studie wurde nicht zwischen Arten der Farbenblindheit (z. B. Rotblindheit vs. Grünblindheit) unterschieden, die sich unterschiedlich auf das Risiko auswirken könnten.
- Korrelation, nicht Kausalität: Die Studie kann nicht beweisen, dass Farbenblindheit direkt zu einer verzögerten Diagnose oder schlechteren Ergebnissen führt; es deutet lediglich auf einen möglichen Link hin.
Umfassendere Implikationen und nächste Schritte
Obwohl die Ergebnisse nicht endgültig sind, unterstreichen sie, wie wichtig es ist, Sehstörungen bei der Krebsvorsorge zu berücksichtigen. Die Studie legt nahe, dass Personen mit bekannten Risikofaktoren für Blasenkrebs (z. B. ältere Männer, Raucher) und nicht diagnostizierter Farbenblindheit von erhöhter Wachsamkeit profitieren könnten.
Die Forschung wirft auch Fragen zu anderen Krebsarten auf, bei denen Blut in Körperflüssigkeiten ein Frühindikator ist, wie zum Beispiel Mundkrebs. Weitere Studien sind erforderlich, um diese ersten Ergebnisse zu bestätigen und zu untersuchen, ob gezielte Screening-Methoden (wie Urinteststreifen) die Ergebnisse für farbenblinde Patienten verbessern könnten.
Letztendlich eröffnet diese Forschung ein interessantes Forschungsgebiet und unterstreicht die Notwendigkeit umfassenderer Krebsrisikobewertungen.















